Warum Projekte selten auf der Baustelle scheitern.
Je länger ich als Bauleiter im Straßen- und Tiefbau gearbeitet habe, desto häufiger habe ich mir dieselbe Frage gestellt: Warum machen wir uns manche Probleme eigentlich selbst?
Ich habe nie erwartet, dass auf einer Baustelle alles perfekt läuft. Dafür ist Bauen viel zu komplex.
Was ich aber oft nicht verstanden habe, war etwas anderes.
Warum akzeptieren wir Abläufe, von denen eigentlich jeder weiß, dass sie später zu Zeitdruck, Missverständnissen und unnötigem Stress führen?
Nach dem Zuschlag steht der Baustart fest. Gleichzeitig laufen Einkauf, Arbeitsvorbereitung und viele Abstimmungen noch auf Hochtouren. Die Bauleitung übernimmt ein Projekt, das an vielen Stellen noch gar nicht vollständig vorbereitet ist.
Und trotzdem erwarten wir, dass vom ersten Tag an alles reibungslos funktioniert.
Ich bin nicht selten abends nach Hause gefahren und habe über genau solche Situationen nachgedacht.
Nicht, weil ich jemanden kritisieren wollte. Sondern weil ich verstehen wollte, warum Probleme immer wieder entstehen, obwohl sie oft vermeidbar wären.
Ich habe in dieser Zeit viele engagierte Kolleginnen und Kollegen kennengelernt. Menschen, die jeden Tag ihr Bestes gegeben haben.
Deshalb glaube ich bis heute nicht, dass die Menschen das eigentliche Problem sind.
Ich glaube, dass wir häufig bessere Voraussetzungen schaffen müssen, damit gute Arbeit überhaupt möglich wird.
Vielleicht bin ich mit dieser Sichtweise nicht allein. Vielleicht müssen wir in unserer Branche einfach häufiger den Mut haben, bestehende Abläufe zu hinterfragen.
Nicht, um alles anders zu machen. Sondern um das zu verbessern, was sich mit überschaubarem Aufwand verbessern lässt.
Denn ich bin überzeugt: Viele Veränderungen brauchen keine riesigen Investitionen. Manchmal reicht es schon, Prozesse neu zu denken und den Menschen zuzuhören, die jeden Tag damit arbeiten.
Mit diesem Beitrag möchte ich eine kleine Reihe beginnen, in der ich Erfahrungen aus meiner Zeit als Bauleiter teile – nicht, weil ich glaube, alles besser zu wissen, sondern weil ich überzeugt bin, dass wir voneinander lernen können.